BUNDESVERBAND DER AGRARGEWERBLICHEN WIRTSCHAFT E.V.

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Pressetitel 2008

 
   
 

Pressemeldung

 
     
 

Preisbildung der Ernte 2008 ist vom Export abhängig

 
     
 

Erste Markteinschätzungen des Agrarhandels anlässlich der BVA-Mitgliederversammlung

 
     
 

Bonn.05.09.2008. „Die Getreidepreise werden weiter sinken. Spätestens im Oktober drängen größere Mengen auf den Markt, ohne auf genügend Abnehmer zu stoßen.“ Diese Prognose wagte Bruno Fehse, Präsident des Bundesverbands der Agrargewerblichen Wirtschaft (BVA) vor Journalisten in Bonn. Anlässlich der Mitglieder-versammlung hatte der Verband zu einem Pressegespräch geladen, um die Marktsituation zu beleuchten. Einig sind sich die Vertreter des Agrarhandels, dass die deutschen Landwirte im Vergleich zu anderen Jahren in der Ernte 2008 viel Getreide eingelagert haben. Wenn in Kürze Zahlungen für Pachten und Betriebsmittel fällig werden, steigt der Liquiditätsbedarf, kommentierte Karlheinz Lichtschläger, S.G.L. GmbH, Erftstadt. Die Lage habe sich im Vergleich zum Vorjahr komplett gedreht. „Die von Spekulanten getriebene Hausse hat viele Landwirte bewogen, ihre Ernte einzulagern. Jetzt müssen sie leider erkennen, dass die Entwicklung keine Einbahnstraße ist und Preise sich innerhalb eines Tages bereits drastisch verändern können – und zwar auch nach unten“, sagte Fehse. Der deutsche Getreidemarkt sei nach der großen Ernte 2008 aktiv auf Exporte angewiesen. Daneben werde das große Futtergetreideaufkommen über weite Strecken die Preisbildung in diesem Getreidewirtschaftsjahr bestimmen. Eine Absage erteilte Fehse an Befürchtungen, es könne zu einer Intervention kommen. „Vorher wird die Gerste exportfähig sein“, kommentierte er.

Der Landhandel ist durch die hohe Erntemenge mit allen Qualitäten gut versorgt. Der Weizen, als Hauptfrucht weist hohe Hektolitergewichte auf, allerdings unterdurchschnittliche Proteinwerte, das erhöht den Anteil des Futterweizens an der Gesamternte. „Zur Zeit besteht kein aktiver Markt für Qualitätsweizen“, so Fehse. Die deutschen Mühlen, aber auch die Käufer aus Belgien und den Niederlanden sind aktuell gut mit hochwertigem Weizen versorgt. Für den Gerstenmarkt erwartet der Handel erst eine Belebung der Nachfrage, wenn das Maisgeschäft abgeschlossen ist. Ohne Exporte zum Jahresende sei das derzeitige Preisniveau für Gerste nicht zu halten. Diese Einschätzung bestätigte Agrarhändler Karl-Friedrich Wirtz, Köln und schließt einen weiteren Preisrückgang nicht aus. Bernd Kleeschulte, Vorsitzender des BVA-Ölsaatenausschusses, machte in diesem Zusammenhang deutlich, dass die öffentliche Diskussion über die Konkurrenz von „Tank und Teller“ angesichts der aktuellen Versorgungslage endlich versachlicht werden müsse. Die Biokraftstoffindustrie trage wesentlich zur Entlastung auf dem Getreidemarkt bei. Gleichzeitig müsse die Bundesregierung in der Gesetzgebung bei Biokraftstoffen wesentlich behutsamer vorgehen und massive Eingriffe in den Markt vermeiden, um die Investitionen des Mittelstands nicht zu gefährden. Dazu gehört auch eine wesentlich schnellere Berechnung von Über- oder Unterkompensationen.

In einer ersten Einschätzung zum Saatgutmarkt 2009 ist für den Agrarhandel bereits erkennbar, dass die Roggen-aussaatmenge mindestes stabil bleiben wird. Weitere Flächenausdehnungen schließt der Handel nach seinen jetzigen Verkaufsabschlüssen nicht aus. Die Anbauentscheidungen basieren auf den jetzt angebotenen Verkaufskontrakten für den Bioenergiebereich. Beim Raps wird eine deutliche Flächenausdehnung erwartet. Das Saatgutgeschäft hatte sich aufgrund des festen Rapspreisniveaus deutlich belebt. Aus den Erfahrungen des bisherigen Saisonverlaufs raten die Handelsvertreter den Landwirten Teilmengen der Ernte 2009 über den frühzeitigen Verkauf, am besten bereits mit der Aussaat abzusichern, um das Preisrisiko zu minimieren. Bei den Pflanzenschutzmitteln sieht der BVA eine Preiserholung gegenüber dem Vorjahr um 3 bis 4 Prozent. Eine solche Steigerung sei auch 2009 möglich, obwohl die Landwirte insgesamt weniger Pflanzenschutzmittel einsetzen. Die drastisch gestiegenen Düngerpreise haben ebenfalls zu einem Umdenken in der Landwirtschaft geführt. Es wird wieder verstärkt auf Gülle und Kompost zurückgegriffen.

Präsident Fehse ging während der Mitgliederversammlung auch auf die Ziele des BVA als Dachverband des privaten Agrarhandels in Deutschland ein: „Wir müssen uns über neue Formen der Zusammenarbeit bzw. der Spezialisierung Gedanken machen.“ Der Branche stehen Veränderungen ins Haus. Einerseits setzt sich der Strukturwandel in der Landwirtschaft fort, andererseits werden die Herausforderungen durch gestiegene Marktrisiken aber auch steigende gesetzliche Anforderungen an die Vermarktung von Agrarrohstoffen und Betriebsmittel immer größer. Unterstützung sucht der Verband bei Banken und Sparkassen. „Es besteht nach wie vor erhebliche Unkenntnis über die Besonderheiten unserer Branche und als Mittelständler haben wir oft genug ein Wahrnehmungsproblem bei den Banken“, sagt Fehse. Der BVA habe sich aktiv bei Politik und Wirtschaft eingesetzt, um die Bedeutung der Agrar- und Ernährungswirtschaft für die Volkswirtschaft zu betonen. Erfolge seien sichtbar und die Branche sei wieder interessanter für die Finanziers geworden.  

 
     
  Text der Pressemeldung im PDF-Format:

Pressemitteilung im PDF-Format

 
     
  Bundesverband der Agrargewerblichen Wirtschaft e.V.

05.09.2008

 
 
 
 
 

 

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