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Grain-Club 11.02.2008: Die Bundesregierung hat
die Anforderungen für die „ohne Gentechnik“ – Kennzeichnung von Milch,
Fleisch und Eiern aufgeweicht. Damit stellt sich für Wirtschaft und
Verbraucher die Frage, ob und in welchem Umfang die Praxis von dieser
Möglichkeit Gebrauch machen kann. Der Bundesverband der
Agrargewerblichen Wirtschaft (BVA), der Deutsche Raiffeisenverband
(DRV), der Deutsche Verband Tiernahrung (DVT), der Verein der
Getreidehändler der Hamburger Börse (VdG) und der Verband Deutscher
Ölmühlen (VDÖ) als Repräsentanten der Sektoren Futtermittel, Getreide
und Ölsaaten warnen vor zu großer Euphorie. Sie sehen wenig Raum für das
Marktsegment der nicht als gentechnisch verändert zu kennzeichnenden
Futtermittelrohstoffe.
Im Mittelpunkt der Diskussion steht der Rohstoff
Soja, mit dem der größte Teil des europäischen Bedarfs an Futtereiweiß
gedeckt wird. Soja stammt überwiegend aus gentechnisch veränderten
Sorten, die in Drittländern angebaut werden. Sojaschrot als wichtigstes
Verarbeitungserzeugnis ist vor allem in der Schweine- und
Geflügelfütterung kaum durch andere Proteinträger zu ersetzen. Derzeit
sind lediglich ca. 10% des für den europäischen Markt verfügbaren
Sojaschrotes nicht kennzeichnungspflichtig und stehen für die Erzeugung
von tierischen Lebensmitteln unter dem Label „ohne Gentechnik“ zur
Verfügung.
Die Verbände erwarten daher, dass sich diese
Etikettierung zunächst auf Marktnischen beschränken wird. Der Nachweis,
dass tatsächlich keine kennzeichnungspflichtigen Futtermittel eingesetzt
worden sind, ist am Lebensmittel selbst nicht möglich. Eine effektive
Kontrolle kann nur über zeitraubende und kostenträchtige
Rückverfolgbarkeitsprüfungen erfolgen. Die Futterwirtschaft appelliert
dringend an Ernährungsindustrie und Lebensmittelhandel, im Interesse des
Verbrauchervertrauens und der Glaubwürdigkeit verantwortungsbewusst mit
der „ohne Gentechnik“ - Kennzeichnung umzugehen. Es dürfen nicht aus
rein marketingorientierten Überlegungen heraus Erwartungen geweckt
werden, die sich bei näherem Hinsehen als nicht erfüllbar erweisen.
Um das Marktsegment der nicht
kennzeichnungspflichtigen Futtermittel auf Dauer zu erhalten und weiter
zu entwickeln, muss aus Sicht der Getreide- und Futterwirtschaft ein
weiteres grundsätzliches Problem gelöst werden: Eine Trennung zwischen
kennzeichnungspflichtigen und nicht kennzeichnungspflichtigen
Futter-mittelrohstoffen ist unter praktischen Verhältnissen nur dann in
nennenswertem Umfang zu leisten, wenn eine praktikable Regelung für den
Umgang mit Spuren von noch nicht in der EU zugelassenen GVO-Sorten
besteht. Notwendig ist zudem eine Beschleunigung und strikt
wissenschaftliche Ausrichtung der europä-ischen Zulassungsverfahren für
gentechnisch veränderte Organismen. Hier muss die Politik ansetzen, wenn
sie auch dem „ohne Gentechnik“ - Marktsegment eine Chance auf größere
Präsenz geben will. |
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