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Bildunterschrift: Diskutierten bei der Jahrestagung (von links):
Staatssekretär Friedrich-Otto Ripke, Dr. Norbert Heim,
Martin Schraa, BVA-Präsident Bruno Fehse, Dr,. Manfred Kern und
BVA-Geschäftsführer Robert Künzel. |
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Im Fokus des Interesses stand die
abgelaufene Getreideernte in Deutschland, die mit 50 Mio. Tonnen
erheblich größer ausfiel als erwartet. Deshalb stellte BVA-Präsident
Bruno Fehse vor Journalisten ernüch-ternd fest: „Deutlich höhere
Preise sehe ich in nächster Zeit nicht.“ Während der aktuellen Ernte
gab es für einzelne Getreidearten für den Handel praktisch keine
Vermarktungsmöglichkeiten. Er empfiehlt deshalb zu warten. Für den
Bereich Ölsaaten und Raps sah Bernd Kleeschulte, Vorsitzender des
BVA-Ölsaaten-ausschusses, eine Seitwärtsbewegung beim Preis.
Nur ein starker Export kann angesichts der hohen globalen Weizenernte
für Entlastung sorgen. Wie Friedrich Oldekopf
(BVA-Getreideausschuss) berichtete, sind seit dem 1. Juli für 700.000
Tonnen Exportlizenzen erteilt worden. „Ich befürchte aber, dass wir
nicht das Niveau des letzten Jahres erreichen werden, da die
Hauptimportländer selber gute Ernten eingefahren haben. Etwas Entlastung
könnte noch der Bioenergiebereich bringen“ so Fehse. Aus der
Schwarzmeerregion droht keine Konkurrenz. BVA-Spezialist Alfons Mosel
berichtete von niedrigen Durchschnittserträgen (zwei bis drei
Tonnen/Hektar). In Deutschland waren es im Schnitt 7,4 Tonnen pro
Hektar.
Für Martin Schraa, Bereichsleiter bei der Agrarmarkt-Information
GmbH, hängen die Exportaussichten entscheidend von der
Währungsentwicklung den Frachtkosten und der Nachfrageentwicklung ab. Er
hält aber eine mittelfristige Erholung der Getreidepreise für
wahrscheinlich. Weiterhin gelten nämlich die „Megatrends“:
Bevölkerungswachstum, Ernährungssicherung, Klimawandel und
Energieversorgung.
Niedersachsens Staatssekretär im Landwirtschaftsministerium,
Friedrich-Otto Ripke, zeigte die Mega-trends und die Folgen auf. Ein
Ziel müsse es sein, für die wachsende Weltbevölkerung das Bedürfnis nach
Nahrung, Energie, Biorohstoffen und Naturschutz gleichermaßen zu
befriedigen. Das erreiche man nur durch eine effiziente und nachhaltige
Landbewirtschaftung. Seiner Meinung nach ist es notwenig, künftig auch biogene Reststoffe in den Biogasanlagen einzusetzen, um den
Flächenverbrauch zu minimieren. „Mittelfristig könnte das eine
Aufhebung des NaWaRo-Bonus bedeuten,“ sagte Ripke. Für
„existenziell“ hielt er den Einsatz von Grüner Gentechnik. Niedersachsen
sei als starkes Veredelungsland zum Beispiel auf den Eiweißträger Soja
angewiesen, der derzeit aber nur als GV-Soja importiert werden könne.
„Wenn wir weiter-hin an unseren strengen Vorgaben festhalten, laufen wir
Gefahr, dass uns der Sojamarkt entgleitet und wir als Agrarland Nummer 1
in Europa abgehängt werden.“
Dr. Manfred Kern (Bayer CropScience) sieht die
Ernährungssicherung nur durch einen nachhaltigen Pflanzenschutz
gewährleistet. „Pflanzenschutzmittel sichern hohe Erträge und
Qualitäten; durch sie können knappe bzw. begrenzte Ressourcen wie
Fläche, Energie und Kapital effizient genutzt werden“, betonte Dr. Kern.
Er forderte eine „zweite grüne Revolution“, um den Bedarf an Nahrung,
Futtermitteln und Energie-pflanzen zu decken. Dazu sei eine intensive
Forschung notwendig.
Dr. Norbert Heim, Geschäftsführer der Union zur Förderung von
Oel- und Proteinpflanzen (UFOP) übte Kritik an der
EU-Nachhaltigkeitsgesetzgebung: „Der Deutsche Bauernverband und die
UFOP setzen sich nachdrücklich dafür ein, dass für die Einhaltung der
Nachhaltigkeitsanforderungen gegenüber dem Ersterfasser eine Erklärung
des Landwirts ausreicht und eine neue Dokumentationsflut zum
Flächennach-weis unterbleibt.“ Schließlich lägen die Flächenanträge
der Landwirte detailliert den Länderbehörden vor und müssen nicht
nochmals bei 2.000 Erfassungsunternehmen gestapelt werden. Kurzfristig
verlangt die Nachhaltigkeits-VO den Aufbau eines Zertifizierungssystems,
das ab 1. Juli 2010 die Ausstellung des so genannten
Nachhaltigkeits-Nachweises durch die letzte Schnittstelle
(Biokraftstoffhersteller) regelt. Als weitere Schnittstellen müssen
Ölmühlen und Ersterfassungsunternehmen zertifiziert sein. BVA-Vertreter
Bernd Kleeschulte hakte ein und forderte von der Politik endlich
klare Vorgaben: „Es betrifft die Saat 2010, da müssen wir wissen,
woran wir sind.“
Chefanalyst Folker Hellmeyer von der Bremer Landesbank sprach
Klartext über die internationale Banken- und Wirtschaftskrise, die
seiner Meinung nach noch anhält. „Die Herausforderungen an die
internationale Agrar- und Ernährungswirtschaft sind durch die positive
konjunkturelle Entwicklung der Schwellenländer mit verändertem
Verbraucherverhalten einerseits und dem Thema Biofuels andererseits
extrem hoch.“ Hellmeyer geht davon aus, dass der
Konzentrationsprozess in der Landwirtschaft künftig weiter zunimmt. Die
Optimierungsprozesse erfordern einen erhöhten Kapitaleinsatz als auch
einen verstärkten Managementansatz in der Agrarbranche. |
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