BUNDESVERBAND DER AGRARGEWERBLICHEN WIRTSCHAFT E.V.

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Pressetitel 2009

 
     
 

Aus: DieSparkassenZeitung • DOSSIER AGRARKREDIT • 13. Nov 2009 Nr. 46 S. 17

 
     
 

Agrargewerbe blickt positiv in die Zukunft

 
     
 

Deutschland blickt in diesem Jahr erneut auf eine Rekordernte. Das war so von vielen Marktteil-nehmern nicht erwartet worden. Eine Rekordernte, die auf weltweit große Endbestände trifft, den bereits bestehenden Preisdruck verschärft und den Getreidehandel vor große Herausforderungen stellt. Die Politik kündigt ein System ohne staatliche Intervention an, gleichzeitig hat sich die Volatilität der Agrarmärkte seit dem Jahr 2000 mehr als verdoppelt. Bruno Fehse, Präsident des Bundesverbandes der Agrargewerblichen Wirtschaft (Bonn-Berlin), vertritt rund 80 Prozent der privaten Agrarhandelsunternehmen in Deutschland. Er spricht mit der SparkassenZeitung über die Notwendigkeit eines effizienten Risikomanagements.

 
     
 

DSZ: Wo liegen die Besonderheiten im Agrarhandel?

 
     
 

Fehse: Volatile Märkte, insbesondere bei steigenden Marktpreisen für landwirtschaftliche Rohstoffe, führen zu einem steigenden Kapitalbedarf und Zinsaufwand für den Warenankauf im Handel. So hatte sich der Finanzierungsbedarf im Wirtschaftsjahr 2007/2008 für den Agrarhandel nahezu verdoppelt. Da das Umlauf-kapital parallel zum Preisniveau steigt, erhöht sich der Finanzierungsbedarf und Kreditlinien müssen neu verhandelt werden. Im Gegenzug verschlechtert sich häufig aufgrund einer sinkenden Eigenkapitalquote die Rating-Note der Handelsunternehmen bei den Banken. Des Weiteren gibt es sehr ausgeprägte atypische Kreditspitzen im Vergleich zur übrigen Wirtschaft. Wir haben festgestellt, dass die Hausbanken mit Blick auf die Rating-Einstufung von ihren Agrarhandelskunden neben einer wirtschaftlich stabilen Ausgangslage mehr Transparenz in den Unternehmen und ein offenes Informationsverhalten gegenüber ihrer Hausbank erwarten. Es scheint mir deshalb enorm wichtig, einen regen Informationsaustausch mit den Kreditinstituten zu suchen und das unternehmensinterne Risiko- und Liquiditätsmanagement offen darzustellen.

 
     
 

DSZ: Welche Vorteile bietet die Agrarbranche?

 
     
 

Fehse: Unsere Branche gehört zu den innovativsten und kapitalintensivsten Branchen der deutschen Wirtschaft. Wir haben stabile Absatzmärkte für Agrarexporte. So blieben die Ausfuhren von Produkten der Agrar- und Ernährungswirtschaft im ersten Quartal fast unverändert auf dem Vorjahresniveau, wohingegen der deutsche Gesamtexport um 21 Prozent einbrach. Insgesamt exportierte die deutsche Agrar- und Ernährungsbranche von Januar bis März 2009 Güter im Wert von fast 11,5 Milliarden Euro. Zudem verfügen unsere Kunden, die Landwirte, über hohe Eigenkapitalquoten, weshalb sie als verlässliche Geschäftspartner beim Agrargewerbe, aber auch den Sparkassen und Banken geschätzt werden. Außerdem liegen die Ausfallraten im Agrar- und Ernährungsgewerbe seit Jahren weit unter denen der gewerblichen Wirtschaft. Wenn man außerdem bedenkt, dass der Wert der Verbraucherausgaben für Nahrungs- und Genussmittel bei jährlich rund 248 Milliarden Euro liegt und die Agrarwirtschaft 2008 für knapp 50 Milliarden Euro exportiert hat, kann man die große Bedeutung des Agro-Food-Sektors für die deutsche Volkswirtschaft klar ermessen. Es ist notwendig, dass wir diesen Erfolg und diese Leistungsfähigkeit immer wieder kommunizieren.

 
     
 

DSZ: Das hört sich an, als ob die Branche gar nicht unter der Wirtschaftskrise leidet?

 
     
 

Fehse: Die Auswirkungen der Wirtschaftskrise sind zum Glück nur begrenzt, da wir solide mittelständische, inhabergeführte Familienunternehmen haben, die es gewohnt sind, sich auch unter schwierigen Wettbe-werbsbedingungen am Markt zu behaupten. Umso länger die Krise andauert, umso mehr stellen wir allerdings fest, dass nicht in allen Sparkassen-Geschäftsstellen das Verständnis für die Besonderheiten in der Agrarbranche und in der Landwirtschaft besteht. Das hat natürlich auch Auswirkungen auf das Finanz- und Kreditgeschäft für unsere Unternehmen. Teilweise haben wir auch den Eindruck, dass es manchmal leichter ist, einen Konsum-Kredit zu erhalten, als einen Überbrückungskredit in schwierigeren Zeiten. Insofern bietet die Agrarkredittagung eine gute Gelegenheit, sich auszutauschen.

 
     
 

DSZ: Was empfehlen Sie Ihren Marktpartnern für die Zukunft?

 
     
 

Fehse: Professor Enno Bahrs (Uni Hohenheim) hat die stark volatilen Produktpreise der letzten Jahre als ständige "Heiß-Kalt-Dusche" für die Agrarrohstoffproduzenten beschrieben. Das sehe ich ebenso. Dennoch, die Fundamentaldaten sind positiv - eine ständig wachsende Weltbevölkerung und der steigende Lebens-standard lassen höhere Preise erwarten. Auch die Bodenpreise werden von diesen Entwicklungen nicht unberührt bleiben. Märkte werden aber angesichts der vielfältigen Einflussfaktoren weniger gut prognosti-zierbar sein. Die Bedeutung des betriebsindividuellen Risiko- und Informationsmanagements wird somit insgesamt zunehmen. Dabei dürfen Landwirte sich zukünftig noch weniger davor scheuen, ihre Ernten durch Vorkontrakte in mehreren Chargen zu verkaufen und einen Blick in die Entwicklung der internationalen Märkte zu werfen. Damit kommen sie auch ihren Vermarktern entgegen, die dadurch den Markt kontinuierlich bedienen können. Die Entwicklungen in der Ukraine und Brasilien sind heute genauso wichtig wie etwa die in Bayern.

 
     
 

DSZ: Welchen Beitrag können die Geldinstitute leisten?

 
     
 

Fehse: Besonders geschätzt werden die Sparkassen und Banken mit spezialisierten Agrarfachleuten, die den Markt beobachten, analysieren und ihre Klienten fachkundig beraten. Diese Kreditinstitute können die Risiken besser einschätzen und mit ihren Kunden mittel- und langfristige Unternehmensstrategien abstim-men. Der Agrarhandel als Vermarktungsscharnier zwischen Landwirtschaft und Verarbeitungsindustrie wird zukünftig seine Ein- und Verkäufe noch stärker als bisher anhand der laufenden Marktentwicklungen überprüfen und anpassen müssen. Außerdem müssen passende Hedge-Strategien ausgearbeitet werden, damit sich die Unternehmen kontinuierlich gegen die Marktrisiken absichern können. Insgesamt gesehen ist die Eigenverantwortung des Unternehmers mehr als zuvor gefordert.

 
 
     
  Text der Presseinformation im Original als PDF-Format:

Pressemitteilung im PDF-Format

 
     
     
 
Bundesverband der Agrargewerblichen Wirtschaft e.V.

13.11.2009

 
 
 
 
 

 

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