Erfolgreicher 19. Getreidehandelstag in Warberg 2015

„Ein umfangreicher Getreideimport für Nahrungsmittelzwecke bei steigenden Preisen kann in Deutschland als Weizenexporteur nicht gewollt sein.“ Das ist das Fazit von Olaf Jäger, Mitglied der Geschäftsführung bei der Mühle Rüningen Stefan Engelke GmbH anlässlich des Getreidehandelstages auf Burg Warberg. Derzeit sieht Jäger für die Mehlerzeugung keine Chance auf Absenkungen der Qualitätsstandards, zumal auch die Kunden der Getreidemühlen ihrerseits an Kriterien wie z.B. Proteinwerte festhalten. Mit Blick auf das bevorstehende Inkrafttreten der Dünge-Verordnung rechnet Jäger daher durchaus mit höheren Prämien für die notwendigen Weizenqualitäten. Anwesende Teilnehmer aus der Mühlenbranche betonten, das Getreide vorzugsweise aus Deutschland beziehen zu wollen. Bei Engpässen werden zusätzliche Importe jedoch nicht ausgeschlossen sein.

Oliver Balkhausen, ADM Germany GmbH, Hamburg, sieht auch den derzeitigen Status Deutschlands als Getreideexport in Gefahr. Bereits jetzt sei abzusehen, dass sich viele Landwirte eher für den Anbau von B-Weizen entscheiden dürften. So sei die Stickstoffobergrenze von 60 kg/ha nach der Ernte (ab 2018 50 kg) eher zu halten. Damit dürfte es künftig schwieriger werden, die Protein-Qualitätsanforderungen z.B. aus Iran, Afrika usw. zu erfüllen. „Derzeitige Abnehmerländer werden sich dann umorientieren“, sagt Balkhausen voraus. Balkhausen als auch Jens Ripken, Agravis AG, Hannover, machten in Ihren Vorträgen deutlich, dass die zu vermutenden trockenheitsbedingten Ertragseinbußen ein rein deutsches Problem sei. In vielen anderen Getreide-Exportnationen entwickelten sich die Bestände gut bis sehr gut, mit der Aussicht auf entsprechende Erträge. Das dürfte den deutschen Getreidemarkt belasten, befürchten beide.

Aus Sicht der Getreidezüchtung ist eindeutig: Die novellierte Düngeverordnung eröffnet gute Chancen, teilweise längst überfällige Veränderungen in der Kette von der Züchtung, der Produktion, der Erfassung, der Verarbeitung und des Endverbrauches von Konsumgetreide zu befördern. Dr. Ralf Schachschneider, Nordsaat Saatzucht GmbH, Halberstadt/Böhnshausen, riet in seinem Beitrag: „In konstruktiver Diskussion und Kommunikation sollten alle Glieder dieser Kette die „Anforderungen“ zur weiteren Optimierung von Produktion und Verbrauch erkennen und umsetzen.“

Prozessoptimierung durch optimales Datenmanagement war ein weiteres Thema auf der Burg Warberg. Derzeit stehen diese Fragestellungen für Handelsunternehmen ganz oben auf der Agenda. In der modernen Landwirtschaft wird die Digitalisierung weiter voranschreiten und im Speziellen die Vernetzung aller mit dem Landwirt berührenden Sektoren möglich machen. Der BVA geht davon aus, dass vor allem für den Agrarhandel sich dadurch neue Chancen einer engen Kundenbeziehung ergeben.

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