BVA-Pressekonferenz: Wenig Spielraum für heimischen Getreidemarkt

31.03.2017

Berlin - Die gegenüber dem Vorjahr kleinere deutsche Getreideernte 2016/17 ist in Norddeutschland zu großen Teilen vermarktet, während im Süden noch Mengen unkontrahiert in der Landwirtschaft liegen. Nach den Erfahrungen des vorherigen Wirtschaftsjahres hatten viele Landwirte Weizen und Gerste zügig verkauft und sind mit dieser Strategie nicht schlecht gefahren, erklärt  Ludwig Striewe laut Pressemitteilung des Bundesverbandes der Agrargewerblichen Wirtschaft e.V. (BVA) anlässlich der Pressekonferenz am Dienstag. Für die verbleibenden Monate bis zum Beginn der Ernte auf der Nordhalbkugel ist keine Jahresendrally zu erwarten. „Denn Südamerika und Australien stehen vor großen Mais- und Weizenernten, die auf den Markt drängen werden.“

So erwartet das US-Landwirtschaftsministerium (USDA) allein in Australien eine Steigerung der Weizenproduktion um 45 Prozent auf 35 Mio. t. Die Exporte könnten so auf 25,5 Mio. t steigen, „das würde etwa der gesamten Exportmenge der EU entsprechen“, so der Marktexperte. Die globale Weizenerzeugung erreicht nach Berechnungen des USDA in der Saison 2016/17 einen Umfang von 751 Mio. t, zwei Prozent mehr als im Vorjahr. Die Weizen-Endbestände zum Ende der Saison 2016/17 steigen danach um 10 Mio. t auf 250 Mio. t. Das Verhältnis der Endbestände zum Verbrauch erreicht mit 33 Prozent einen mehr als komfortablen Wert.

Auch bei Mais steht erneut eine große Ernte bevor. Die Schätzung des USDA zur brasilianischen Ernte von 91,5 Mio. t wird in den kommenden Monaten voraussichtlich deutlich nach oben revidiert werden. Und mit 37,6 Mio. t erwartet auch Argentinien eine sehr gute Maisernte. Mais aus Südamerika könne so auch nach Europa fließen und sich preisdämpfend auf die Futtergetreidemärkte auswirken, erwartet Striewe. Weltweit rechnet das USDA mit einer Maisernte von 1,049 Mrd. t, das wären 9 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Endbestände steigen im Jahresvergleich um 9,7 Mio. t auf 220,7 Mio. t. Bei einem Verhältnis von Endbeständen zum Verbrauch von 21 Prozent bleibt auch die globale Maisbilanz komfortabel.

Für die neue Ernte sind die Voraussetzungen in Westeuropa und der Schwarzmeer-Region nicht schlecht, geht aus der Pressemitteilung hervor. Die Wintergetreide-Bestände sind alles in allem gut über den Winter gekommen. Zwar gebe es weiter Wetterrisiken, doch die Wahrscheinlichkeit für größere Ertragsausfälle sei nun deutlich geringer als noch im Herbst. Selbst wenn bis zur neuen Ernte Getreide in der EU noch einmal knapp werden sollte, werde die gute globale Versorgung Preissprünge nach oben dämpfen.

In Deutschland und den meisten EU-Ländern werden Landwirte und Händler mit leeren Getreide-Lägern in die neue Ernte gehen. Das gilt auch für Raps. Die alte Ernte ist weitgehend vermarktet und auch für die kommende Saison zeichnet sich in Europa eine knappe Versorgung ab, sodass erneut größere Mengen aus Kanada und Australien importiert werden müssen. Trotzdem dürften die Rapspreise nicht in den Himmel wachsen, denn global ist das Angebot an Pflanzenölen und Ölschroten deutlich verbessert, sagt Striewe vorher.

„Bei der Vermarktung der Ernte 2016 musste der Landhandel logistische Herausforderungen bewältigen“, erklärt BVA-Präsident Rainer Schuler. Wegen niedriger Pegelstände an den Flüssen in Deutschland konnten Binnenschiffe nicht voll beladen werden. Die von den Schifffahrtsunternehmen berechneten Kleinwasserzuschläge zehrten an den Margen des Handels. Verlagerungen der Transporte auf die Straße ließen auch die LKW-Frachten stark ansteigen. In dieser schwierigen Situation habe sich der Handel einmal mehr als ein verlässlicher Partner von Landwirtschaft, Mühlen und Mischfutterherstellern gezeigt, betont der BVA-Präsident.

 

 

 

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