Futtermittelhandelstag 2017 in Warberg

12.05.2017

Düngeverordnung erfordert neue Fütterungskonzepte

Die neue Düngeverordnung wird vor allem in den von deutlichen Überschüssen von Stickstoff- und Phosphor geprägten Veredlungsregionen Deutschlands ein Umdenken erfordern. Der Futtermittelindustrie kommt dabei eine entscheidende Rolle zu, hieß das Resümee auf dem Futtermittelhandlestag am 10./11. Mai auf Burg Warberg. Der BVA veranstaltete den Handelstag gemeinam mit der Bundeslehranstalt Burg Warberg und dem Verein der Getreidehändler der Hamburger Börse e.V. (VdG).

Laut Nährstoffbericht der Landwirtschaftskammer schlugen allein in Niedersachsen im vergangenen Wirtschaftsjahr 2015/16 rund 70.000 t N-Überschuss zu Buche, „die mit der neuen Düngeverordnung auf null gesetzt werden müssen“, so Heinz Hermann Wilkens von der Düngebehörde der Kammer.

Welchen Beitrag können die Futtermittelhersteller leisten? „Der Nährstoffimport über den Einkauf von Futtermittel ist ein bedeutender Posten innerhalb der künftigen Stoffstrombilanz eines tierhaltenden Betriebes“, sagt der Experte. Also komme es zukünftig mehr denn je darauf an, die Fütterung noch effizienter am Nährstoffbedarf der Nutztiere auszurichten.  Das bedeute zum einen die Weiterentwicklung der Standards im Bereich der nährstoffreduzierten Fütterung, zum anderen den Einsatz der entsprechenden Futtermittel in Verbindung mit einer mehrphasigen Fütterung. Heiner Bröring, H. Bröring GmbH & Co KG, Dinklage, schätzt, dass allein mit neuen Fütterungskonzepten durchaus weitere 20 bis 30 Prozent an Phosphor- und Stickstoffüberschüssen reduziert werden können.

Gefragt sind Innovationen in der Futtermittelwirtschaft, so Wilkens mit Blick auf die Regionen im belgischen Flandern, wo die Mischfutterindustrie bedeutsam zur Problemlösung beiträgt. Dort würden im Gegenzug zu den Futtermittellieferungen große Mengen flüssiger Wirtschaftsdünger von den Betrieben mit Nachweis für den Tierhalter gegenüber der Düngebehörde aufgenommen und aufbereitet. Das dies auch in Deutschland funktioniert könnte, bezweifelte Bröring in seinem Beitrag. Er setzt vielmehr auf die technische Aufbereitung von Wirtschaftsdüngern, um das Problem in den Griff zu bekommen. Transporte unbehandelter Gülle in entfernt gelegene Ackerbauregionen seien zwar entlastend, aber nicht wirklich effektiv, so Bröring. „Es macht keinen Sinn, große Mengen an Wasser über weite Strecken zu transportieren.“

Die Diskusionsteilnehmer waren sich einig, dass mit Hochdruck an tragfähigen Lösungen gearbeitet werden muss. „Wenn wir die Nährstoffüberschüsse nicht in den Griff bekommen, werden uns im Rahmen der nächsten Novellierung der Düngeverordnung gesetzliche Vorgaben gemacht, die zu massiven Betriebsschließungen führen dürften“, erklärte Wilkens abschließend. 

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