Ökologische Auswirkungen des globalen Agrarhandels

19.11.2021

Senckenberg-Wissenschaftler haben eine der wenigen Überblicksstudien zu den ökologischen Auswirkungen des weltweiten Lebensmittelhandels im Fachjournal „One Earth“ veröffentlicht. Die ökologischen Kosten des Handels – insbesondere von Kaffee, Tee, Soja und Rindfleisch – sind laut der Studie unverändert hoch. Die Forscher plädieren dennoch dafür, den Agrarhandel differenziert zu betrachten und auch seine positiven Wirkungen zu berücksichtigen.

Die Gruppe um Kastner fasst dafür die Ergebnisse von über hundert Studien aus den letzten Jahren zusammen, welche die Auswirkungen des Lebensmittelhandels auf die Verfügbarkeit von Nahrung und auf den Verlust von Artenvielfalt sowie auf die Fähigkeit von Ökosystemen, CO2 zu binden, quantifiziert haben. In den letzten drei Jahrzehnten hat sich der Handel mit Nahrung mehr als verdoppelt und macht nun fast ein Viertel der globalen Nahrungsproduktion aus. 80 Prozent der Weltbevölkerung lebt in Ländern, die Nettoimporteure von Nahrung sind. Der Welthandel spielt auch eine zentrale Rolle bei der Versorgung mit Mikronährstoffen und Spurenelementen. Studien haben gezeigt, dass der Handel den Großteil der Weltbevölkerung essenziell mit lebenswichtigen Mineralien und Vitaminen versorgt.

Hinsichtlich des globalen Getreidehandels kamen Kastner und Co zu dem Ergebnis, dass dieser vergleichsweise effizient ist – im Gegensatz zum folgenreichen Handel mit beispielsweise Kaffee und Kakao. Der Getreidehandel versorgt eine Vielzahl von Menschen mit wichtigen Kalorien und verbraucht dabei in den Exportländern weniger Ressourcen, als dies eine auf Selbstversorgung zielende Produktion mit gegenwärtigen Anbaumethoden vor Ort tun würde.